Blätter im Louvre und das verlorene Turiner Gebetbuch

Buchtitel
Blätter im Louvre und das verlorene Turiner Gebetbuch
1
veröffentlicht: 2023
Bibliotheks-ID:
Zustand:
1000471878939953
Sehr gut
Genre
Stundenbücher / Gebetbücher Kassetten (Einzelblatt-Sammlungen)
Stil
Gotisch
Typ
Faksimile
Autoren
Meister des Paraments von Narbonne (fl. 1356–1408), Meister des Llangattock-Stundenbuchs (fl. 1445–60), Meister Johannes’ des Täufers Jan van Eyck Schule
Jahrhundert
Unbekannt
Land
Frankreich
Anzahl
4 Blätter / 26,8 × 17,3 cm
Jahr
1380
Beschreibung
Blätter im Louvre und das verlorene Turiner Gebetbuch
Als einzige erhaltene Seiten aus dem verbrannten Turiner Gebetbuch bieten die vier Blätter einen Einblick in die Pracht und hochwertige künstlerische Ausgestaltung dieser bedeutenden Handschrift. Der Meister des Paraments von Narbonne sowie Jan van Eyck und sein Umkreis waren die Künstler der Bildseiten. Die schicksalhafte Geschichte des Gebetbuchs unterstreicht die Bedeutung der vier Blätter im Louvre.
Die Blätter im Louvre aus dem verlorenen Turiner Gebetbuch
Die vier hier versammelten Blätter sind die einzigen erhaltenen Seiten eines großen Buchschatzes des 15. Jahrhunderts: eines Teils der Très Belles Heures des Duc de Berry. Das in Turin aufbewahrte Gebetbuch fiel 1904 einem Brand zum Opfer. Einzig die vier Blätter im Louvre zeugen bis heute von der Pracht und künstlerischen Bedeutung des Gebetbuchs.
Große Meister am Werk
Die fünf Miniaturen auf den vier Blättern im Louvre stammen von den Händen der größten Künstler ihrer Zeit. Der Meister des Paraments von Narbonne war für die ursprüngliche Gestaltung verantwortlich, Jan van Eyck und sein Umkreis sollten diese teilweise ergänzen und vervollständigen und zusätzlich eigene Miniaturseiten fertigen. Die wertvollen Miniaturseiten begeistern mit kunstvoll drapiertem Rankenwerk, prachtvollen Initialen, verspielten Bas-de-page-Miniaturen und besonders den Hauptszenen in leuchtenden Farben und wohldurchdachter Komposition. Letztere wirken in ihrer detaillierten Ausführung fast wie eigenständige Tafelbilder. Dass diese Kunstwerke aus einer Prachthandschrift bis heute erhalten sind, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken.
Eine verhängnisvolle Geschichte
Herzog Jean de Berry war der Auftraggeber für die nach ihm benannten Très Belles Heures. Aus unbekannten Gründen gab er die Handschrift 1412 an seinen Schatzmeister Robinet d'Estampes, der sie in drei Teile zerlegte und zwei davon an das Haus Bayern-Holland verkaufte. Er selbst behielt den heute unter dem Namen „Très Belles Heures de Notre Dame“ bekannten Teil. Das Gebetbuch, das zusammen mit dem heute als Turin-Mailänder Stundenbuch bekannten Teil nach Bayern-Holland gelangte, sollte 1424 von dem noch jungen Jan van Eyck fertig gestellt werden. Über verschiedene Stationen gelangte es 1720 durch das Haus Savoyen nach Turin, wo es in der Nationalbibliothek aufbewahrt wurde. Zu dem Zeitpunkt waren die vier Seiten wohl schon aus dem Buch entfernt - aufgrund ihrer besonderen Pracht gestohlen? - worden. Doch war dieses Schicksal ihr Glück, denn das Turiner Gebetbuch verbrannte 1904 bei einem Feuer in der Turiner Bibliothek.
Das glückliche Schicksal
Die vier Blätter befinden sich seit dem 19. Jahrhundert im Louvre. Ursprünglich umfasste das Gebetbuch 93 Blätter mit insgesamt 40 Bildseiten. Die Besonderheit des Gebetbuchs waren die ungewöhnlichen, zum Teil gar einzigartigen Gebete für Heilige, die in den sonst üblichen Kompendien nicht aufgeführt sind. Die illustrierenden Miniaturen zeugen von einer Kunstfertigkeit und Könnerschaft, die das Gebetbuch auch aus kunsthistorischer Sicht besonders wertvoll erscheinen lassen. Dies hatte den Kunsthistoriker Paul Durrieu zwei Jahre vor dem Brand dazu bewogen, die Bildseiten des Turiner Gebetbuchs in Schwarzweiß-Drucken zu edieren. So lassen sich die Pracht und der Glanz der spätmittelalterlichen Handschrift heute wenigstens zu einem gewissen Teil erahnen.
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